INPUT 9, 10.5.20, zu 2. Mose 2.1-10, "Mutterliebe"

Jochebed & Moses im Korb<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-oe.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>1005</div><div class='bid' style='display:none;'>14024</div><div class='usr' style='display:none;'>4</div>

Liebe Gemeinde!
Wir feiern Muttertag. Darum wollen wir uns Gedanken machen nicht über Rabenmütter (auch wenn diese sehr interessant sind, wie wir im Theater gesehen haben), sondern über die Mutterliebe.
Pfr. Andy Wahlen,
Video dazu auf youtube

Dazu wollen wir eine Frau kennenlernen, die eine der wichtigsten Mütter der Geschichte Israels war. Kennt ihr Jochebed? Der Name ist nicht so bekannt. Auch über diese Frau wissen wir nicht sehr viel. Aber das, was wir über sie am Anfang des 2. Mosebuches lesen, ist höchst spannend.
Bevor ich auf sie eingehe, muss ich euch die Situation schildern: Wir befinden uns in Aegypten, ca. 1300 J. v. Chr. 150 Jahre vorher ist Jakob mit seinen 12 Söhnen nach Aegypten ausgewandert, unterdessen ist Israel zu einem grossen Volk herangewachsen, das als Sklaven krampfen musste. Der aegyptische König, der Pharao hatte immer mehr Angst, dass sie die Übermacht gewinnen. Darum liess er anordnen, dass die hebräischen Hebammen alle Buben gleich bei der Geburt töteten. Als das nicht klappte, befahl er allen Aegyptern, alle Buben, die den Hebräern geboren wurden, in den Nil zu werfen.

So erwartete auch Jochebed ein Kind. Wir lesen in 2. Mose 2,1f: „Zu jener Zeit heirateten ein Mann und eine Frau aus dem Stamm Levi. Die Frau wurde schwanger und bekam einen Sohn. Als sie sah, was für ein schönes Kind es war, hielt sie es drei Monate lang versteckt.“ Es fängt ganz schlicht an: Ein Mann und eine Frau heirateten. Die Namen werden erst später erwähnt: Amram + Jochebed. Ganz normale Leute, Sklaven. Nichts Besonderes – solche Paare gab es Tausende! Sie hatten übrigens schon 2 Kinder: Mirjam und Aaron. Was auch nicht spektakulär war: sie wurde schwanger. In der damaligen Zeit war eine Schwangerschaft mit vielen Risiken verbunden. Und erst recht eine Geburt! Viele Mütter starben während oder kurz nach der Geburt, und auch die Kindersterblichkeit war gross. Da ist einerseits die Vorfreude auf das Kind und andrerseits die Angst: überlebe ich das? Und jetzt besonders: ist es ein Bube oder ein Mädchen – und wenn es ein Bube ist: wer kommt und wirft ihn in den Nil zu den Krokodilen? Und tatsächlich: es ist ein Bube! Sie schaute ihn an und fand ihn schön. Dem kann man sagen: „Mutterliebe“! Jede Mutter findet ihr Kind das Schönste – das ist uns auch so gegangen, als unsere Kinder zur Welt kamen! Wir waren begeistert. So ging es auch Jochebed. Als sie den Buben sah, verliebte sie sich in ihn und sagte sich: den kann ich unmöglich in den Nil werfen lassen. Darum versteckte sie ihn 3 Monate lang. Ein schwieriges Unterfangen – der hat ja sicher auch mal geschrien. Da sehen wir, zu was Mutterliebe in der Lage ist: sie unternimmt alles, um dieses kleine Kind zu retten und so zu verstecken, damit es überlebt, dass die Aegypter es nicht entdecken konnten.
Aber nach 3 Monaten schaffte sie es nicht mehr. Sie entschied sich, das Kind loszulassen. Sie bastelte einen Binsenkorb, dichtete ihn mit Pech ab, legte den kleinen Buben hinein und setzte ihn im Schilf am Nil aus. Zudem liess sie seine Schwester Mirjam am Ufer den Korb bewachen. Und siehe da: die Tochter des Pharao kommt an den Nil, um zu baden und entdeckt den Korb, lässt ihn holen und sieht das Kind. Sie sieht, dass es ein Hebräerbube ist und müsste ihn eigentlich gemäss Befehl ihres Vaters in den Nil werfen – aber sie ist eine normale Teenagerin und macht das Gegenteil von dem, was der Vater sagt: sie hat Mitleid mit ihm und hat Freude an dem herzigen Kerl. In dem Moment kommt Mirjam, die Schwester des Kindes daher und fragt scheinheilig: „Soll ich eine Hebräerin rufen, damit sie das Kind stillt?“ Das fand die Tochter des Pharao eine gute Idee. Sie gab dem Buben den Namen Mose: „aus dem Wasser gezogen“ und wollte ihn adoptieren. So liess sie Jochebed diesen Mose stillen, bezahlte sie sogar noch dafür. Hat Gott nicht einen genialen Humor?! Jochebed konnte ihm auch noch ihren Glauben ins Herz pflanzen, indem sie ihm die Geschichte seines Volkes erzählte. Schliesslich gab sie Mose der Tochter des Pharao, die ihn aufnahm und ihm am Hof des Pharao die beste Ausbildung ermöglichte, die es damals überhaupt gab. So hatte Mose die allerbesten Voraussetzungen, um als Sohn von einfachen Sklaven sein eigenes Volk aus der Sklaverei in Agypten zu befreien.

Eine faszinierende Geschichte! Sie ist geprägt von dieser unglaublich starken Mutterliebe von Jochebed zu ihrem Sohn, den sie schön fand. Diese Liebe schenkte ihr den Mut, gegen den Befehl des Pharaos das Kind zu verstecken und die Phantasie, dieses Kind im Nil auszusetzen und zu hoffen, dass irgendjemand es rettet. Ich staune über diese extreme Liebe!
Woher hatte Jochebed diese Kraft? 1400 Jahre später schreibt der Verfasser des Hebräerbriefes in Hebr 11,23 folgendes: „Durch den Glauben versteckten die Eltern von Mose ihr Kind nach der Geburt drei Monate lang. Sie sahen, dass Gott ihnen ein schönes Kind geschenkt hatte, und hatten keine Angst vor dem, was der König ihnen antun konnte.“
Ihr Geheimnis war ihr Glaube. Ihr wurde schon als Kind beigebracht, dass sie einen wunderbaren Gott hat, der gut für sie sorgt. Dieser Gott schenkte ihr die Liebe zu ihrem Büblein, die Phantasie und den Mut, das Kind loszulassen und es damit zu retten. Gott hatte einen Plan zur Befreiung seines Volkes und brauchte genau diesen Mose. Darum sorgte er dafür, dass er in den Genuss der besten Ausbildung der damaligen Welt kam. Aber er brauchte eine Mutter, die bereit war, dieses Kind unter die gute Führung Gottes zu stellen, statt sich krampfhaft daran zu klammern. Es heisst, dass sie keine Angst hatte vor dem Pharao. Gott war ihr wichtiger als dieser weltliche Herrscher. So wurde aus diesem kleinen, herzigen Büblein der wichtigste Führer für das Volk Israel – bis zum heutigen Tag gibt es keinen, der wichtiger ist.
Jochebed wird zwar nicht als Heldin gefeiert, aber ihre Mutterliebe machte sie zu einer der wichtigsten Mütter, die es je gegeben hat. Was können wir für uns aus ihrer Geschichte mitnehmen?
  1. Gott braucht ganz normale Menschen, um seinen Plan umzusetzen, Menschen, wie Dich und mich. Wichtig ist, dass wir uns bereit erklären, auf ihn zu hören und uns von ihm brauchen zu lassen. Bist Du bereit?
  2. Gott schenkt uns Liebe und Phantasie zu den Menschen, die er uns anvertraut, nicht nur zu den eigenen Kindern, sondern auch sonst im Leben. Welche Menschen hat er Dir ans Herz gelegt? Wen kannst Du im Vertrauen auf Gott loslassen?
  3. Wenn wir an Gott glauben und uns von ihm führen lassen in unserem Leben, schenkt er uns den Mut und die Kraft, unkonventionelle Sachen zu tun und uns nicht vor irgendwelchen Menschen zu fürchten – auch wenn sie noch so mächtig sind. Was hindert Dich, Gottes Willen zu tun?
  4. Dieser Gott, der Jochebed diese starke Mutterliebe ins Herz gelegt hat, ist selber der Erfinder der Liebe und ist in Liebe für uns da. Das können wir in Jes. 66,13 nachlesen, wo er sagt: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ Ein paar Kapitel vorher sagt er (Jes 49,15): „Kann eine Mutter etwa ihren Säugling vergessen?… Selbst wenn sie es vergessen würde, vergesse ich dich nicht!“ Hast Du diese Liebe erfahren?
Von Herzen wünsche ich Dir, dass Du diese Liebe Gottes erfahren kannst, der Dich bedingungslos liebt, wie eine Mutter liebt. Und dass Du – egal ob Du Mutter bist oder nicht – von dieser Liebe erfüllt wirst, die sich ohne wenn und aber für andere einsetzt. Gerade in dieser Corona-Zeit braucht es Menschen, die diese Liebe weitergeben und nicht nur an sich selber denken. Bitte Gott um diese Liebe, lass Dich von ihm erfüllen von seiner grossen Phantasie, diesem Mut und dieser Unerschrockenheit von Jochebed, die nicht einmal den mächtigen Pharao fürchtete, weil sie sich geborgen fühlte in der Hand unseres genialen Gottes. Ich wünsche Dir Gottes Liebe und Segen bei allem, was Du tust!                                     AMEN

Gebet
Treuer himmlischer Vater. Du hattest einen wunderbaren Plan für Jochebed, für ihren Sohn Mose und seine Geschwister Mirjam und Aaron und auch für Dein Volk Israel. Auch für unser Leben hast du einen guten Plan. Hilf auch uns, Deinen Plan für uns zu erkennen und täglich gehorsam nach Deinem Willen zu leben.
Du hast Jochebed Liebe, Phantasie und den Mut geschenkt, sich für Mose einzusetzen und ihn auch loszulassen. Zeig uns, was Du für uns und die Menschen bereit hast, die uns nahe sind. Schenk uns den Glauben, mit Deiner Hilfe etwas Mutiges zu tun. Brauche uns als deine Werkzeuge, damit wir mithelfen können, dein Reich zu bauen und wie Jochebed unseren Glauben weiterzugeben.
Danke, dass Du auch uns mit Deiner grossen Liebe umgibst.
Segne besonders auch alle Mütter für ihren Dienst in ihren Familien. Schenk ihnen auch immer wieder Freude dabei. In diesem Sinne bitte ich dich auch für alle Ehepaare. Segne ihre Gemeinschaft, damit sie immer wieder füreinander dasein und aufeinander zugehen können.
Wir bitten Dich in dieser Corona-Krise: Segne alle, die in dieser Zeit besonders gefordert sind im Dienst an der Allgemeinheit. Sei auch bei den Kranken und wirke mit Deiner heilenden Hand. Und hilf uns allen, mit dieser Situation zu leben.
Sei besonders auch bei den Menschen, die im Moment eher vergessen gehen, die in Krisen- und Kriegsgebieten leben, die darum auf der Flucht sind oder die wegen ihrem Glauben an Dich verfolgt werden.

Wir singen das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat:
Vater unser, der du bist im Himmel. Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Kollekte:
Sie ist heute vorgesehen für mamma – Hilfe für Mutter + Kind. Der Verein setzt sich für werdende oder junge Mütter ein, auch in ihren finanziellen Nöten. Unterstützen Sie mamma mit einer Spende auf unser Kollektenkonto 50-13302-4 bzw. IBAN: CH59 0900 0000 5001 3302 4 mit Vermerk „mamma“ – vielen Dank für Ihre Gaben! Im Foyer der Kirche gibt es Einzahlungsscheine.


Unsere Corona-Angebote:
„Telefon-Seelsorge“: Wir Pfarrer sind für Sie da: Pfr. Peter Hediger, 062 723 21 30 oder Pfr. Andreas Wahlen, 062 723 11 33
„Entfelden hilft“: suchen Sie jemanden, der Ihnen Einkäufe besorgt? Unsere Sozialdiakonin Manuela Koller, 079 769 44 55 vermittelt kostenlos helfende Hände

Nächster Input: So, 17.5.: Flyer in Kirche, Text und Video auf www.ref-oe.ch


Wochenspruch:
„Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Psalm 98,1

Segen:
Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.
Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.
AMEN

Bhüet nech Gott und bliibed gsund!
   
Bereitgestellt: 09.05.2020     Besuche: 5 heute, 56 Monat
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