INPUT 1 - ZU PSALM 37,5: «Befiehl du deine Wege»

Juni 2017<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>rkmg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>539</div><div class='bid' style='display:none;'>6123</div><div class='usr' style='display:none;'>3</div>

Liebe Gemeinde

Die Corona-Krise beschäftigt die ganze Welt. Viele sind verunsichert. Wir wissen nicht, was da noch alles auf uns zukommt, wie schlimm es wirklich noch wird, wieviele Menschen – gerade auch aus unserem Umfeld – Opfer dieses unberechenbaren Virus werden. Angst macht sich breit, die nicht unbegründet ist.
Pfr. Andreas Wahlen,
Wo sollen wir Hilfe suchen? Für mich sind die Psalmen eine Zuflucht. Z.B. Psalm 37,5: „Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohlmachen.“ Es ist gut, zu wissen, dass wir unsere Wege, Sorgen und Ge-danken zu Gott bringen können. Mit „befiehl“ ist gemeint, dass wir ihm alles anbefehlen oder anvertrauen können. Er ist immer für uns da, 7 x 24 Stunden pro Woche. Er hat uns nicht vergessen, auch wenn wir vielleicht denken, er sei nicht da. Er hat einen Plan für unser Leben. Zu diesem Vers hat der grosse Liederdichter Paul Gerhardt (1607-76) ein tolles Lied ge-schrieben. Er war Hauslehrer Pfarrer und Diakon bis zu seinem Tod. Er ver-lor früh seine Frau Anna Maria und vier seiner Kinder. Nur ein Sohn überlebte ihn. So hatte er nicht immer ein einfaches Leben. Auch der 30-jährige Krieg 1618-48 war eine Belastung. Er hat also viele Krisen erlebt.

Lied 680 in unserem Gesangbuch „Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt“ basiert auf Psalm 37,5. Die Form ist ein sogenannter Akrostichon, d.h. jede Strophe fängt mit einem Wort des Verses aus Ps 37 an (in unserem Gesangbuch kursiv geschrieben, im untenstehenden Text fett markiert): „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen.“, jeder Vers beginnt mit einem dieser Worte. Im 17. Jh. waren solche Kunstmittel sehr beliebt. Das zeigt, wie begabt der Dichter war, weil das alles andere als einfach ist. Zudem ist es natürlich eine Hilfe, wenn man das Lied auswendig lernen will. Das ist zwar heute nicht mehr so üblich, aber ich bin an mehr als einem Krankenbett gewesen, an dem ich hörte wie gut es ist, wenn man in einer schlaflosen Nacht noch die alten Kirchengesangbuchlieder oder Psalmen auswendig aufsagen und beten kann.

In unserem Gesangbuch ist das Lied 680 unter der Rubrik „Vertrauen“ eingereiht. Und dies ist genau das, was Paul Gerhardt damit wollte: Das Vertrauen in den Gott stärken, der auch in schwierigen Zeiten des Lebens da ist und Halt gibt – auch in der Corona-Krise. Dabei bringt der Dichter nicht graue Theorie. Er weiss von was er redet, hat ja schliesslich in seinem Leben mehrere ganz schwere Stunden erlebt mit dem Verlust seiner Frau und vier seiner Kinder. Gerade in solchen Situationen hat er sicher erfahren können, dass Gott ihn nicht im Stich lässt, dass auf ihn voll Verlass ist. Alles, was ihn beschäftigte, was sein Herz betrübte, hat er Gott anvertraut. Und dieser Gott war nicht einfach irgendeiner, sondern der, welcher alles im Griff hat. Sogar die Wolken und den Wind, wie er in der 1. Strophe schreibt:
1. Befiehl du deine Wege, und was dein Herze kränkt,
Der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt!
Der Wolken, Luft und Winden, gibt Wege, Lauf und Bahn,
Der wird auch Wege finden, da dein Fuss gehen kann.


Mich fasziniert schon in der ersten Strophe diese bildhafte Sprache. Gerade in diesen Tagen mit diesem wechselhaften Wetter haben wir die Wolken und Winde hautnah erleben können. Für Paul Gerhardt ist klar: Dieses Schauspiel ist kein Zufallsprodukt. Es ist Gott, der den Himmel lenkt, der den Wolken und Winden sagt, wo sie durchziehen sollen. Und wenn dieser gewaltige Gott sogar für die Wolken einen guten Weg plant, wieviel mehr kann er auch für uns einen Weg finden, der gut ist für uns, auf dem wir sicher gehen können. Dieser Gedanke stellt mich auf. Wir können Gott wirklich vertrauen, dass er unsere Wege gut führt, auch in kleinen Dingen des Alltags.

Von Herzen wünsche ich Ihnen, dass Sie gerade in diesen Tagen mit der Unsicherheit von „Corona“ wissen dürfen: Gott ist da. Er kennt auch Ihren Weg. Es lohnt sich, voll auf ihn zu vertrauen.

Ich empfehle Ihnen, das Lied im Internet anzuhören, z.B. unter: youtube und den untenstehenden Text dazu zu lesen:

1. Befiehl du deine Wege, und was dein Herze kränkt,
Der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt!
Der Wolken, Luft und Winden, gibt Wege, Lauf und Bahn,
Der wird auch Wege finden, da dein Fuss gehen kann.

2. Dem Herren musst du trauen, wenn dir's soll wohlergehn;
Auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein
Lässt Gott sich gar nichts nehmen: Es muss erbeten sein.

3. Dein' ew'ge Treu' und Gnade, o Vater, weiss und sieht,
Was gut sei oder schade dem sterblichen Geblüt;
Und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held,
Und bringst zum Stand und Wesen, was deinem Rat gefällt.

4. Weg' hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dir's nicht;
Dein Tun ist lauter Segen, dein Gang ist lauter Licht,
Dein Werk kann niemand hindern, dein' Arbeit darf nicht ruhn,
Wenn du, was deinen Kindern erspriesslich ist, willst tun.

5. Und ob gleich alle Teufel hier wollten widerstehn,
So wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurückegehn;
Was er sich vorgenommen, und was er haben will,
Das muss doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel.

6. Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt!
Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt,
Mit grossen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit,
So wirst du schon erblicken die Sonn' der schönsten Freud'.

7. Auf, auf, gib deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht!
Lass fahren, was dein Herze betrübt und traurig macht!
Bist du doch nicht Regente, der alles führen soll;
Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl.

8. Ihn, ihn lass tun und walten, er ist ein weiser Fürst
Und wird sich so verhalten, dass du dich wundern wirst,
Wenn er, wie ihm gebühret, mit wunderbarem Rat
Die Sach' hinausgeführet, die dich bekümmert hat.

9. Er wird zwar eine Weile mit seinem Trost verziehn
Und tun an seinem Teile, als hätt' in seinem Sinn
Er deiner sich begeben, und sollt'st du für und für
In Angst und Nöten schweben, frag' er doch nichts nach dir.

10. Wird's aber sich befinden, dass du ihm treu verbleibst
So wird er dich entbinden, da du's am mind'sten gläubst;
Er wird dein Herze lösen von der so schweren Last,
Die du zu keinem Bösen bisher getragen hast.

11. Wohl dir, du Kind der Treue! Du hast und trägst davon
Mit Ruhm und Dankgeschreie den Sieg und Ehrenkron'.
Gott gibt dir selbst die Palmen in deine rechte Hand,
Und du singst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt.

12. Mach End', o Herr, mach Ende an aller unsrer Not,
Stärk unsre Füss' und Hände und lass bis in den Tod
Uns allzeit deiner Pflege und Treu' empfohlen sein,
So gehen unsre Wege gewiss zum Himmel ein.


Zum Abschluss gebe ich Ihnen noch ein Gebet mit, das Johannes Hartl (Gründer Gebetshaus Augsburg) geschrieben hat:

Corona-Gebet
Herr, wir bringen Dir alle Erkrankten und bitten um Trost und Heilung.
Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.
Bitte tröste jene, die jetzt trauern.
Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie.
Allen Krankenschwestern und Pflegern Kraft in dieser extremen Belastung.
Den Politikern und Mitarbeitern der Gesundheitsämter Besonnenheit.
Wir beten für alle, die in Panik sind. Alle, die von Angst überwältigt sind.
Um Frieden inmitten des Sturms, um klare Sicht.
Wir beten für alle, die großen materiellen Schaden haben oder befürchten.
Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne sein müssen, sich einsam fühlen, niemanden umarmen können. Berühre Du Herzen mit Deiner Sanftheit.
Und ja, wir beten, dass diese Epidemie abschwillt, dass die Zahlen zurückgehen, dass Normalität wieder einkehren kann.
Mach uns dankbar für jeden Tag in Gesundheit.
Lass uns nie vergessen, dass das Leben ein Geschenk ist.
Dass wir irgendwann sterben werden und nicht alles kontrollieren können.
Dass Du allein ewig bist.
Dass im Leben so vieles unwichtig ist, was oft so laut daherkommt.
Mach uns dankbar für so vieles, was wir ohne Krisenzeiten so schnell übersehen.
Wir vertrauen Dir. Amen

Ps 37,5: „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen.“

Segen:
Der Herr segne Dich und behüte Dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und gebe Dir Frieden. AMEN
Bhüet nech Gott und bliibed gsund!
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