Interview mit Ruth Hasler zum Diakonieprojekt

Ruth Hasler unterwegs für das Diakonieprojekt<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-oe.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>958</div><div class='bid' style='display:none;'>13517</div><div class='usr' style='display:none;'>4</div>

Interview vom 27.3.2019
Markus Opitz,
MO: Seit 2015 gibt es das Projekt „Miteinander Not wenden“. Wie kam es zu diesem Projekt?
RH: Ich war aufgrund meiner Tätigkeit als Sozialpädagogin und Katechetin schon einige Zeit diakonisch unterwegs. Es lag mir damals schon auf dem Herzen, konkrete diakonische Hilfe anzubieten. Als Kirchgemeinde haben wir dann beschlossen, ein sozialdiakonisches Projekt ins Leben zu rufen, um unkompliziert und auf begrenzte Zeit helfen zu können.

MO: Hast du in den 5 Jahren, in denen es das Projekt mittlerweile gibt, wesentliche Veränderungen in deiner Arbeit feststellen können?
RH: Zu Beginn war ich vor allem im Bereich der Unterstützung von Familien tätig. Mittlerweile betreue ich vor allem Menschen kurzfristig oder über längere Zeit hinweg, die in existenzielle Not geraten sind. Das können zum Beispiel psychische oder gesundheitliche Probleme sein, aber auch Arbeitslosigkeit und finanzielle Herausforderungen. In meiner Arbeit mache ich die Beobachtung, dass Menschen mit einem sozialen Netz deutlich weniger Not haben, weil sie durch Freunde und Familie aufgefangen werden. Meine Arbeit sehe ich vor allem für die Menschen, deren soziales Netz wenig oder nicht mehr vorhanden ist.

MO: Wie kommst du in Kontakt mit Menschen, die deine Unterstützung in Anspruch nehmen?
RH: Meist bekomme ich einen Hinweis durch andere Personen, sei es durch Angehörige oder durch Mitarbeitende der Kirchgemeinde oder Behörden. Manchmal melden sich die Menschen auch direkt bei mir mit ihren Anliegen. Meine Kontaktdaten lassen sich leicht im Internet oder als Flyer im ref. Kirchgemeindehaus Oberentfelden finden. Für die Hilfesuchenden ist das praktische Hilfsangebot kostenlos. Gerne freuen wir uns aber, wenn andere das Projekt finanziell unterstützen möchten.

MO: Wie läuft so ein Erst-Kontakt ab?

RH: Wie gesagt, in der Regel bekomme ich einen Anruf und dann mache ich mit den Betroffenen ein Treffen ab, um sich persönlich kennen zu lernen. Je nachdem machen wir zuhause oder an einem anderen Ort ab. Das Aufbauen eines Vertrauensverhältnisses ist das Wichtigste.

MO: In deiner Arbeit begegnest du vielen Menschen mit Problemen und Herausforderungen. Das geht sicherlich nicht spurlos an dir vorbei. Was gibt dir Kraft und lässt dich weitermachen?
RH: Meine Grundeinstellung im Leben ist, dass wir einander helfen sollen. In meiner Arbeit erlebe ich, dass die Hilfe, die ich anbieten kann, Menschen konkret in ihren Situationen hilft. Manchmal genügt es, wenn ein Minimum an Entlastung ermöglicht wird, um eine Situation zu entschärfen. Wenn ich das erleben darf, gibt mir das wieder Kraft für die nächsten Schritte.

MO: Inwieweit spielt der christliche Glaube in deiner Arbeit eine Rolle?
RH: Mein Glaube gibt mir Kraft, die ich für andere Menschen einsetzen kann. Ich weiss mich von Gott getragen und geliebt. Gottes Liebe gilt allen Menschen und ich möchte den Menschen, mit denen ich zu tun habe, mit dieser Wertschätzung begegnen. Gleichzeitig profitiere ich von meiner Seelsorgeausbildung, bei der ich viel über mich selbst gelernt habe. Auch meine Erfahrungen als Sozialpädagogin, Familienfrau und Katechetin fliessen in meine Arbeit ein.

MO: Das Projekt besteht seit 5 Jahren. Wie schätzt du die weitere Entwicklung ein?
RH: Natürlich stellen sich mir Fragen, wie es weitergehen wird und ob die Finanzierung gesichert werden kann. Irgendwann wird auch die Frage nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger konkret. Es freut mich natürlich, dass sich das Projekt mittlerweile etabliert hat und in Anspruch genommen wird. Daher hoffe ich, dass diese Entwicklung weiterhin so positiv sein kann wie in den vergangenen Jahren.

MO: Als letzte Frage: Wie schaffst du dir einen Ausgleich zu deiner Arbeit?
RH: Ich geniesse es, von einem Termin zum anderen mit dem Velo zu fahren. Die kurze Fahrt und die frische Luft geben mir Entspannung, um mich auf den nächsten Termin vorzubereiten. Auch die schöne Natur lässt mich entspannen und die beiden Kinder, die ich als Tagesmutter betreue, geben mir viel Freude.
Bereitgestellt: 19.06.2019     Besuche: 33 Monat
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